Glück ist...

Zum Internationalen Tag des Glücks

Am 20. März feiert die Welt den Tag des Glücks und das nehmen wir zum Anlass, den folgenden Begriff zu beleuchten:

Die Geburtslotterie oder auch Lottery of birth

Diese meint jenes Glück, vom Beginn seines Lebens an mit den besten (oder zumindest besseren) Voraussetzungen als andere ausgestattet zu sein. Maßgeblich beteiligt daran ist der Ort, an dem man geboren wird, aber auch das Geschlecht, die Hautfarbe, die Religion, die soziale Schicht der Eltern/Familie oder auch das Aussehen entscheiden mit, wie sich das jeweilige Leben gestaltet.

Ad hoc denkt wohl die und der geneigte LeserIn an „Entwicklungsländer“, in denen der soziale und finanzielle Aufstieg nahezu unmöglich erscheint – Einzelfälle beweisen zwar das Gegenteil und bestätigen den Mythos vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Nichtsdestotrotz bleibt es jedoch den meisten vorenthalten, ihre Träume umzusetzen und sich zum Beispiel auf den Weg nach Europa zu machen, um hier ein „besseres Leben“ zu führen. (Wie die Realität in Europa dann tatsächlich aussieht erlaube ich mir, hier nicht weiter zu erörtern)

Doch man muss geografisch gar nicht so weit gehen, denn die Geburtslotterie ist auch hierzulande vor allem bestimmend dafür, wie und in welcher Form Bildung genossen wird. Eng verknüpft damit sind die späteren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt – die Rechnung: bessere Ausbildung = besser bezahlte Jobs geht zwar nicht in allen Fällen auf, aber immerhin. Den meisten Kindern wird von Anfang an eingeimpft, „für das Leben“ zu lernen; damit sie später bessere Jobs haben in denen sie weniger arbeiten müssen als ihre Eltern und damit sozial aufsteigen können.

Das Glück, Bildung genießen zu dürfen

Bildung wird in Österreich immer noch vererbt: Frei nach dem (etwas abgeänderten) Motto: „Was Hans nicht gelernt hat, lernt Hänschen nimmermehr“. Das beginnt bei der (oftmals sehr kostspieligen) vorschulischen Förderung, setzt sich in der Schulzeit fort durch z.B. kostspielige Sportangebote, Nachhilfe (die den Besuch eines Gymnasiums manchmal erst ermöglicht) oder Reisen, die Kinder aus ärmeren Familien nicht mitmachen können und all dem Materiellen, das diesen Kindern und Jugendlichen verwehrt bleibt, weil einfach das Geld fehlt.
Was diesen Kindern und später Erwachsenen vermittelt wird, ist zum einen ein Gefühl des Ausgeschlossen-Seins, des Nicht-Mithalten-Könnens und der Resignation angesichts der vielen spannenden und interessanten Möglichkeiten, die einem verwehrt bleiben. Und der diffuse Wunsch, später einmal „reich“ zu werden.
Wie wachsen Kinder auf, die einerseits den Wohlstand und Positivismus der modernen, globalisierten Gesellschaft ständig vor Augen haben, sich aber andererseits stets bewusst sind, dass sie das, was ihre Schulkollegen besitzen, nicht erreichen werden können? Was geschieht hier psychologisch? Ist es die berühmte Karotte, die zu Höchstleistungen anspornt oder führt es dazu, dass sie resignieren; sich keine Hoffnungen mehr machen und schon gar nicht mehr träumen? Zu arbeiten, damit „etwas auf den Tisch kommt“; egal wie viel Erfüllung man in seiner Tätigkeit findet, hat oberste Priorität.

Doch wie steht es um jene, die angeblich auf der Butterseite gelandet sind und den Jackpot gezogen haben? Ist ihnen bewusst, welche Chancen und Möglichkeiten ihnen offen stehen? Und dass diese Möglichkeiten eben nicht jenen vorbehalten sind, die ohnehin schon gut ausgebildet und bezahlt werden bzw. vor einem ökonomisch gesicherten Hintergrund agieren könnten? Denn vorherrschend ist immer noch das Ideal, nach Schule und Ausbildung oder Studium einen „guten Job“ zu ergattern, der Sicherheit in Form eines regelmäßigen Geldeingangs gibt.
Was diesen „Gewinnern“ vor allem vermittelt wird, ist Leistungsdruck. Mit den anderen mithalten zu können ist zentral – der Vergleich macht uns schließlich sicher. Statt seinen individuellen Interessen, Bedürfnissen und auch Talenten zu folgen, wird die Entscheidung oft danach getroffen, in welcher Branche (aus heutiger Sicht wohlgemerkt!) am meisten zu verdienen ist.
Auch das führt zu einem Gefühl der Resignation seinen eigenen Träumen gegenüber: Statt sich seinen Interessen und Stärken voll und ganz widmen zu können, sodass diese auf eine produktive und positive Weise genutzt und weiterentwickelt werden, wird überlegt, womit man denn am besten Geld verdienen könnte.

Wie überwindet man diese von klein auf eingelernten Glaubenssätze, die auch zur Folge haben, dass Träume nicht mehr gewagt werden? Wie holt man ihn zurück – den Wind unter den Flügeln unserer Kinder?

Gefragt ist hier das Schulsystem, denn Lehrerinnen und Lehrer tragen als Pädagogen und Mentoren eine wichtige Rolle – sie sollten auch dafür ausgebildet sein, Potenziale aufzudecken, zu fördern und in produktive Bahnen zu lenken; zu ermutigen und dem Denken neue Richtungen zu geben.

 

Der heutige Weltglückstag ist auch ein guter Anlass darüber nachzudenken, welches Glück uns eigentlich beschert ist und welche Möglichkeiten und Chancen uns offenstehen, einfach weil wir hier und jetzt auf der Welt sind!

Möge der GLÜCKliche Zufall mit euch sein!

Leave Comment